• David Heron

Die Transformation des Baugewerbes: Dieses Mal ist es anders


Im Artikel von letzter Woche versprach ich, dass die Voraussetzungen zur Transformation des Baugewerbes endlich vorhanden sind. Wenn man die höchst fragmentierte Natur der Branche – in den USA gibt es über 680.000 Baufirmen mit durchschnittlich 10 Mitarbeitern – beachtet, dann wird klar, dass man ungeheure Kräfte benötigt, um einen Wandel herbeizuführen. Sieh dir die untenstehende Liste von Treibern an und bilde dir deine eigene Meinung:

  • Kosten, Qualität, Pünktlichkeit: Viele Kunden der Baubranche haben die Auffassung, dass Projekte größtenteils zu spät abgeliefert werden, das Budget überschreiten und unter den Qualitätserwartungen bleiben. Da es bisher keine Alternative gab, wurde das akzeptiert. Wenn Kunden allerdings davon überzeugt werden können, dass bei modernen Bauweisen die Chancen die Risiken überwiegen, dann existiert ein fruchtbarer Markt.

  • Arbeitskräftemangel: Die Arbeit auf der Baustelle ist für viele junge Leute keine attraktive Karrierewahl. In der Vergangenheit wurde dies durch den Einsatz von Arbeitsmigranten (aus- und inländischen) ausgeglichen, was heute allerdings schwieriger wird, da die Anzahl der Wanderarbeiter auf Baustellen fällt oder begrenzt ist.

  • Unzureichende Industriekapazität: Teilweise als Ergebnis des Arbeitskräftemangels, und teilweise deshalb, weil eine geringere Kapazität zu höheren Preisen führt, gibt es eine unzureichende Baukapazität, um alle gewünschten Projekte abzuliefern. Der daraus entstehende Wettbewerbsmangel beeinflusst Kosten, Pünktlichkeit und Qualität.

  • Wohnraumkrise: Jahrzehntelange Unterinvestitionen in Wohnimmobilien in reifen und aufstrebenden Märkten, und voranschreitende Verstädterung in Wachstumsmärkten, treiben Mieten und Kaufpreise so weit nach oben, dass die Wohnraumkrise jetzt zu sozialer Unruhe führt und somit weit oben auf der politischen Agenda steht.

  • Nachhaltigkeit: Da 40 % aller CO2 Emissionen von Gebäuden kommen und über die nächsten 30 Jahre ein Anstieg des Platzbedarfs von 60 % erwartet wird, wird das Bauen besserer Gebäude der Schlüssel sein, die CO2-Emissionsziele zu erreichen. Das erhöht den Druck auf Politiker weiter.

  • Regierung: Als wichtiger Käufer von Bauten hat die Regierung einen starken Anreiz, Kosten zu reduzieren und Qualität zu erhöhen. Außerdem steht sie unter steigendem Druck, die Wohnraumkrise zu lösen und klimafreundliche Gesetze zu verabschieden. Daher ist die Regierung sowohl als Vorgaben festlegende Instanz als auch als Kunde beteiligt.

  • Digital Maturity: Vielleicht sollte dies ganz oben auf der Liste stehen. Digitale Werkzeuge für den Bau sind mittlerweile soweit entwickelt, dass sie einen nahtloseren Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen Parteien, die an einem Projekt arbeiten, ermöglichen. Das erhöht Transparenz und Geschwindigkeit, während es Fehler und Verschwendung reduziert. Durch eine geringere Wartezeit beim Informationsaustausch werden Projektzeitpläne beschleunigt, und somit die Industriekapazität erhöht. Es treibt auch die Kommodifizierung von beinahe jedem Teil des Bauprozesses voran und verringert Gewinnspannen. Wenn man dann noch Virtual Reality dazu nimmt, wird es praktisch, Aufgaben an Orte zu verlagern, wo sie am besten (und am günstigsten) ausgeführt werden können. Es öffnet auch die Tür zum Potenzial von Maschinenlernen und AI, um Strukturen entlang mehrerer Dimensionen, wie zum Beispiel Kosten, Bauzeit, Nachhaltigkeit oder Gesamtbetriebskosten, zu optimieren. Hört sich wie ein entfernter Traum an? Es passiert bereits, und wir werden es uns, und den Einfluss, den es auf die Wertschöpfungskette hat, in einem zukünftigen Artikel näher ansehen.

Diese Kräfte interagieren miteinander. Während diese Interaktionen die Veränderungsgeschwindigkeit erhöhen, nähern wir uns dem entscheidenden Wendepunkt der Transformation des Baugewerbes.


Nächste Woche werden wir uns genauer ansehen, wie das Digitale die Transformation des Baugewerbes ermöglicht, sowie die potenziellen neuen Geschäfte und Geschäftsmodelle, die als Ergebnis größerer Digitalisierung der Baubranche entstehen könnten.

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